Die Sonne hatte eben ihren höchsten Stand erreicht, als sich die Silhouetten dreier geflügelter Wesen auf der Wehrmauer des Raphaelis-Klosters nahe der Stadt Zella Medis gegen den sonnenverwöhnten Mittag abzeichneten und lange Schatten warfen. Cadmiel, der Michaelit, der diese Dreiergruppe 'anführte saß mit geschlossenen Augen und untergeschlagenen Beinen auf der Mauer und war ganz in Meditation versunken, um sich für ihren Auftrag als Schlichter - und für die beiden Mitengel als Lehrer - vorzubereiten. Der kleine weiße Engel allerdings, der linker Hand auf der Wehrmauer im Schatten des Wehrturms saß schnickte unentwegt kleine Steinchen aus den Mauerritzen in die Luft und gähnt oder seufzte in einem fort. Wie viel lieber hätte er jetzt irgendetwas sinnvolles, nützliches getan, anstatt einfach hier zu sitzen und auf... was auch immer? - zu warten? Kein Zweifel; dem kleinen Noctuel war mehr als bloss langweilig. Rohael begutachtete ihre Zeichnung von Cadmiel. Zufrieden grinste sie und steckte sie weg. Dann sah sie sich um. Was war das? Da hinten blinkte irgendetwas... Sie kroch leise auf allen vieren um die Mauer herum. Als sie ein ganzes Stück von der Mauer weggekrochen war stand sie auf, legte eine Hand über die Augen und spähte in die Ferne. Da! Da war es schon wieder gewesen! Neugierig ging sie weiter. Noctuel pustete sich derweil eine Strähne des mittlerweile weiß gewordenen, ehemals weizenblonden Haars aus der Stirn und seufzte. Nein, er würde nicht den dritten Knoten innerhalb von gaaaanz sicher nur fünf Minuten hochstecken, ganz bestimmt nicht. Der Heiler zog kurz unwillig eine Schnute, als sein Blick plötzlich auf die Ramielitin fiel, die sich ihm als Rohael vorgestellt hatte. Was machte sie da? Rasch aber leise drehte er sich in seiner Position herum und versuchte ihr zuzuschauen bei dem was sie da tat - natürlich ohne Cadmiel in seiner wichtigen Meditation zu stören.
Er zog beiden Augenbrauen fragend in die Höhe und konnte sich gerade so am Reimen reißen nicht ein laut fragendes 'Was machst du den daha, Rohael?' zu stellen. Sicher wäre Cadmiel da furchtbar böse geworden, so doll wie er sich jetzt konzentrieren musste für später. Lieber ging der kleine weiße Engel auf alle Viere, zog die Flügel eng an den Körper und kroch so tappsend hinter Rohael her, um herauszufinden was auch immer sie da tat.
Am Abhang blieb Rohael stehen und sah hinunter. Manno! Da blinkte es schon wieder. "Wie unfair!" entfuhr es ihr.
Noctuel kicherte leise, weil das Anschleichen und Kriechen allein schon so lustig war - und ja, so wundervoll ablenkend vom Nichtstun! Leise erhob er sich wieder, trat hinter Rohael und versuchte ihr über die Schultern zu schauen, auch wenn das in Anbetracht ihrer Flügel nur minder gut gelang. "Was machst du denn da, Rohael?" fragte er deshalb leise und seine kindlich helle, warme Stimme war untermalt von fragender Neugier.
Erschrocken quiekte Rohael auf und wirbelte herum. Dabei löste sich ein Stein vom Abhang, und sie verlor den Halt. Hilfesuchend grabschte sie nach vorn, und bekam Noctuels Gürtel zu fassen, gerade noch, bevor der Stein unter ihren Füßen vollends wegbröselte, und sie fiel.
Hilflos ruderte Noctuel mit den Armen, als die Ramielitin ihm plötzlich an einem der zwei Gürtel hing und aus welchem Grund auch immer versuchte ihn auszuziehen. "Wu... Wuaaaaaah!" Fast wäre es ihm geglückt, sich nach hinten zu lehnen und nur unsanft auf seinen Hintern zu plumpsen, doch das Gewicht der Ramielitin zog ihn, egal wie leicht sie beide waren, nach vorn, bis sie quiekend, schreiend und johlend nebeneinander her den Hang hinunterkullerten.
Doch plötzlich war der Abhang zu Ende und sie fielen senkrecht. Auf Gebüsch zu. Gebüsch mit Dornen. HOHES Gebüsch.
Krachend und polternd, derweil auch schreiend stürzte Rohael durch die Ranken, und die Dornen ritzten ihre haut auf, bis sie irgendwann, leicht gebremst, auf ihrem Po auf der Erde aufschlug.
Der Raphaelit hatte nicht ganz so viel Glück wie die Ramielitin, denn anstatt auf seinen vier Buchstaben landete er der Länge nach neben ihr und nahm dabei fast eine Schnauze voll Muttererde zu sich. Irgendwas in seinem Mund machte 'plock', und als er sternchensehend auf die Knie hochkam, um sich wenigstens etwas hinzusetzen bemerkte er, dass ihm der lockere Zahn ausgefallen war, der zwischen rechtem Schneide - und Eckzahn saß und ihn schon seit gut einer Woche beschäftigt hatte. "Ro... Rohael...? Hör doch mal auf zu wackeln bitte.." nuschelte er und hielt sich mit beiden Händen den dröhnenden Kopf, bis die zwei Ramielitinnen wieder zu einer einzigen wurden.
"Ich mach doch gar nichts du Depp!" jammerte Rohael und versetzte Noctuel einen Klaps auf den Kopf. Ihr Blick fiel auf ihre Arme und die Schrammen darauf, dann auf ihren Kriegsrock, der von einem breiten Riss durchzogen war. Tränen sammelten sich in den Augen der kleinen Ramielitin. "Mein... Mein Rock! Das gibt bestimmt Ärger von Cadmiel!" schluchzte sie, und schon kullerten dicke Tränen ihre Wangen hinunter.
Die Sternchen hatten sich verzogen und die Schmerzen die durch den Fall entstanden waren hatten sich verabschiedet. Wieder einmal war Noctuel dem Erzengel Raphael für seine wundervollen Gaben dankbar, denn jetzt konnte er sich um Rohael kümmern. "Oh nein, Rohael, bitte nicht weinen! Hm... lass mich sehen, ja? Erst machen wir dich wieder heil... und dann deinen Kriegsrock.." sprach er beruhigend auf sie ein und legte seine Handflächen vorsichtig auf ihre Wangen, als sich ein kitzelndes Kribbeln in diesen ausbreitete und von Noctuel durch Rohaels Körper geschickt wurde, damit auch die kleinste Schramme bald verschwunden sein würde.
Rohael kicherte. "Lass das, das kitzelt!" quiekte sie.
"Nein, das geht nicht... aber ist gleich vorbei.." murmelte er konzentriert und nahm auch wirklich zwei Minuten später seine Hände von ihrem Gesicht, um sein Werk kritisch zu betrachten. Der weiße Engel grinste, jetzt um eine Zahnlücke reicher. "Das ist toll; alles wieder heil. Hm... na ja... und deinen Kriegsrock bekommen wir auch hin... irgendwo hab ich Nadel und Faden in meiner Tasche... warte mal eben..." und schon vergruben sich die flinken Kinderfinger in besagter Heilertasche, um das Nähzeug zu suchen. "Und waschen müssten wir uns auch... gleich dann.."
Rohael nickte eifrig. Dann wanderte ihr Blick zu ihrer Tasche. Ihre Augen weiteten sich, und erneut sammelten sich Tränen darin, denn von der Tasche ausgehend breitete sich ein großer schwarzer Tintenfleck auf ihrem Rock aus.
Oh... oh naiiiin.." kam es erschrocken von Noctuel, als er gerade Nadel und Faden gefunden hatte und von seiner Tasche aufsah. "Schnell... mach doch irgendwas dass das aufhört? Den kriegen wir sonst gar nicht mehr sauber und Cadmiel nimmt uns dann gar nicht mehr zum lernen und gucken mit..!!" rief er aufgeregt aus und wedelte hilflos mit der freien Hand hin und her.
"Was soll ich denn machen?! Mach du doch! Deine Finger sind ja eh schon ganz schwarz!" quiekte Rohael hysterisch.
"Ähm... na... na guut.." murmelte er und fummelte mit flinken Fingern die Tasche der Ramielitin auf, um das Tintenfässchen herauszuziehen - oder das, was noch davon übrig war. Schnell lagen auch alle anderen wichtigen Sachen anstatt in der Tasche nun in Rohaels Schoß, damit sie zusammen diese säubern konnten. "Wir.. wir brauchen Wasser.. einen Fluss oder so..."
Rohael nickte und sah sich um. Das Dornengestrüpp war überall um sie herum, und viel zu hoch. Der Abhang war zu steil zum klettern. So knotete sie sich eine Tasche in den Rock, und kroch einfach in irgendeine Richtung durch das Dorngestrüpp.
"Heyy.... warte doch mal!" rief er ihr hinterher, blickte kurz auf das Tintenfässchen in seinen Fingern und warf es dann ohne zu überlegen ins Gebüsch, da man es sowieso nicht mehr würde retten können. Dann zog er die Flügel eng an den Körper, nahm seine Tasche auf und folgte Rohael, während er Nadel und Faden in eins der vorderen Fächer zurückschob.
Rohael kroch weiter, doch sie konnte ihre Flügel nicht enger an sich ziehen, zu groß waren sie. Sie fühlte, wie ihr die Dornen die schönen Federn teilten, und schniefte. 'Jetzt bin ich bald ganz ganz hässlich...' Ihre Hand tappte plötzlich ins Leere, und erneut purzelte sie Vornüber weg. Jedoch landete sie nach einem Überschlag auf ihrem Po. Vor Überraschung ganz starr, starrte sie auf das , was da vor ihr stand, und rührte sich nicht.
Noctuel hatte das Poltern und Fallen sowohl gesehen als auch gehört, weshalb er nun vorsichtig hinter ihr hertappte, ohne zu fallen. "Ist alles in Ordnung, Rohael..?" fragte er leise und streckte ihr eine helfende Hand hin.
Rohael rührte sich nicht, sondern saß einfach starr da. Langsam begann ihr Körper zu zittern und eine Hand hob sich. Und deutete auf eine etwa 15cm große Spinne an einem Baum. "Noctuel! Hilfe! Da ist eine große böse Traumsaat! Guck! Die guckt mich schon ganz mordlustig an! So tu doch was!!!"
Der Raphaelit hob erschrocken den Blick in der Erwartung, nun in tellergroße Insektenaugen blicken zu müssen - und begann erst leise, dann lauter und schließlich schallend zu lachen. "Aber das ist doch nur eine Spinne..." erklärte er ruhig und zog Rohael langsam auf die Füße. "Bleib ganz ruhig und beweg dich nur langsam..." sagte er fast tonlos und führte sie an der Hand weg; die Spinne dabei immer im Blick.
Ängstlich tappte Rohael hinter Noctuel her. Als sie endlich weit von der großen bösen Traumsaat wegwaren quiekte Rohael glücklich auf und sprang Noctuel an den Hals. "Ooooh, du bist ja sooo tapfer!" Als sie wieder von ihm abließ sah sie erschrocken, dass er jetzt den gleichen Fleck wie sie auf dem Rock hatte - nur spiegelverkehrt - und lief hochrot an.
Seine Gesichtsfarbe war ebenfalls ins rötliche gewechselt, wenn wohl auch eher weil Rohael ihn einfach so umarmt hatte. Hatte man ihnen nicht gesagt dass so was unter Engeln nicht üblich war? Er sah an sich herunter, dann wieder in ihr Gesicht... und kicherte leise. "Gut dass ich noch einen Rock oben in der Cella habe, sonst wäre das hier berzlihihihiiiig..."
"Berzli?" Sie sah ihn schief an. "Das hab ich ja noch nie gehört... Aber... wenn Cadmiel das sieht?"
"Ich meinte brenzlig... entschuldige, aber das ist so lustig.." nuschelte er immer noch kichernd und rieb sich die Augen. "Ach... wir finden zurück und ziehen uns in der Cella um, nachdem wir uns in einem der Waschräume gesäubert haben... ganz einfach..." meinte er überzeugt nickend und sah sich um. "Hm... aber erst mal müssen wir hier rausfinden..."
"Ja, dann mach mal du aushilfs Urielit!" sagte sie und streckte Noctuel die Zunge raus. "Als ob DU wüsstest wo wir sind!"
"Natürlich weiß ich das! Wir sind... ähm..." Der Raphaelit drehte sich einmal um sich selbst und suchte mit seinen Augen sowohl Erdreich als auch die Baumkronen und alles dazwischen ab. "Naja... im Wald eben... natürlich." erklärte er dann und nickte wissend. "Und jetzt gehen wir halt zurück.."
"WOHIN zurück du Schlaumeier? Wo sind wir denn hergekommen? Und wie du durch Dornen eine steile Wand hinaufkletterst, das will ich sehen, gerade du, wo du doch so ungeschickt bist!"
"Ich bin nicht ungeschickt" betonte er leise und seufzte. Er war es wirklich nicht, mal von der momentanen Situation abgesehen. "Wir müssen einfach ruhig bleiben... und gut überlegen. Also: Von da hinten sind wir eben gekommen.." Er deutete in die Richtung in der die Spinne gelegen war, "aber genau da hin können wir nicht gehen weil’s da Traumsaat gibt. Hm..."
"Dann gehen wir halt...DA lang!" sagte Rohael, und deutete auf eine Lücke zwischen Büschen und Bäumen. "Da sieht toll aus." Und schon lief sie los.
"So warte doch..!" rief er und packte sie gerade noch so am Handgelenk, als sie voranstürmen wollte: "Das wichtigste ist dass wir zusammen bleiben; allein finden wir hier nie wieder heraus... also ganz ruhig... und ja, wir gehen in die Richtung, aber vorsichtig... wer weiß was es hier noch so alles gibt..." murmelte er und las kurzerhand einen langen, trockenen Stock vom Boden auf, den er als Geh- und Taststock verwenden konnte.
Rohael zog eine Schnute. "Ich hätte ja auf dich gewartet..." nuschelte sie und ließ Schultern und Flügel hängen. Dann wartete sie dass Noctuel vorging und folgte ihm. Leise tappsten ihre Füße über das nasse Laub, immer hinter dem Raphaeliten her.
Er lächelte. "Danke, Rohael... und mach dir keine Sorgen, wir finden hier schon raus..." meinte er und ging weiter, immer mit dem Stock tastend dass sie ja keine Bodenlöcher oder ähnliches übersahen und sich verletzen konnte. Das Laub raschelte und der Waldboden matschte leise unter den nackten Kinderfüßen, sodass Noctuel unweigerlich grinsen musste weil das so schön kitzelte. Soooo schlimm war dieser Wald eigentlich gar nicht.. vorausgesetzt man passte auf was man tat. "Hm... und bleib immer schön bei mir, ja? Immerhin bist du die mit dem Köpfchen, und das brauchen wir jetzt..." erklärte er leise an die Ramielitin gewandt.
...Doch diese hörte das schon gar nicht mehr.
Sie hatte etwas gehört, und war vor dem letzten Baum links abgebogen, anstatt wie Noctuel weiter geradeaus zu gehen. Jetzt balancierte sie gerade über einen holen Baumstumpf, um zu einer kleinen Insel in einem Tümpel zu gelangen, wo etwas kleines blaues auf dem Boden lag.
Der Raphaelit seufzte leise. Das durfte doch nicht wahr sein! Rasch fand er den Weg zurück und bald hörte er es auch knacken und Rascheln, wie von großen Flügeln die durch Unterholz glitten. Am Baumstamm blieb er stehen und wartete, während sein Blick im Rücken der Ramielitin hing. "Rohael... was machst du da? Das ist sicher gefährlich.. komm bitte wieder her!"
Von der Ansprache des Raphaeliten erschrocken, glitt Rohael aus, und plumpste Rittlings auf den Baumstamm. Wütend drehte sie den Kopf. "NOCTUEL! Erschreck mich doch nicht so!" Langsam robbte sie weiter vorwärts, angelte sich das blaue Etwas und robbte zurück zu Noctuel. "Und du schrei nicht so..." nuschelte er pfeifend aufgrund seiner Zahnlücke und grinste trotzdem schon wieder halbwegs. "Ich möchte doch nur dass nichts Schlimmes passiert... aber... was hast du denn da?"
"Weiß nicht?" Sie drehte das kleine blaue Ding in der Hand. Es fühlte sich komisch an. Kalt, wie Metall. Oben war ein...Knopf oder so. Sie hob das Ding an, und drückte auf den Kopf. Plötzlich sprühte irgendetwas komisches oben raus. Erschrocken ließ Rohael das Ding fallen, sprang einen Schritt zurück und rümpfte die Nase. "Bääääh, das stinkt!!!"
Verwundert schauend hob er es auf und drehte das Ding in den Händen. Seltsam... was das nur war? "Was.... was machen wir jetzt damit?" fragte er ratlos und schnupperte, ebenfalls angeekelt das helle Gesichtchen verziehend.
Rohael überlegte. "Naja...Anfassen dürfen wir das ja eigentlich nicht... Aber liegen lassen wäre auch gefährlich. Hmmmm..." Sie überlegte. Bestimmt hatte sie darüber schon mal was gelesen. Plötzlich fiel ihr etwas ein. "Ich hab mal was gelesen, da stand, dass die früher so Dinger benutzt haben um da Flüssigkeiten reinzutun.... und sie so als Nebelzeugs wieder rausgespitzt haben... Zum Beispiel war da so ein Zeug drin, was sich die Vorsintflutlichen in die Haare oder unter die Arme getan haben..." (Ikone)
"Was? Soooo uralt ist das schon?" Der Raphaelit nahm die längliche Dose zwischen Daumen und Zeigefinger und hielt sie mit angeekeltem Gesichtsausdruck von sich weg. "Ihgitt ihgitt; das sieht ja schon komisch aus... aber wie das.... müffelt... wargh.." Der kleine weiße Engel hielt sich mit der nun freien Hand die Nase zu, hustete und ließ die Dose fallen, um sich die Hand, in der er sie gehalten hatte immer wieder an seinem Kriegsrock abzuwischen.
"Hmmm...Am besten du steckst es ein, dann können wir es später Cadmiel geben..." sagte Rohael, und hopste ein paar Schritte von ihm weg. "Ob er schon nach uns sucht?"
"Ich soll das Ding da... EINSTECKEN?" Noctuel schnappte hustend nach Luft, was ihn nur zu stärkerem Husten veranlasste. "Meinst du das muss sein?" Sein Blick war gequält, fast wie der eines geprügelten Welpen. "Hmja... ich glaub Cadmiel dürfte warten..."
"Dann sollten wir weitergehen! Kommst du?" Sie tapste in die Richtung in die Noctuel gegangen war, bevor er zu ihr gekommen war, lief um den Baum herum, und versteckte sich dort. Sie unterdrückte ein Kichern und verharrte still.
"Jaaa.... warte doch eben.." Unschlüssig sah der Raphaelit auf die Dose, rang kurz mit sich - und steckte sie zögernd ein.
Vorsintflutliches Teufelszeug konnten sie ja nicht einfach hier herumliegen lassen! Cadmiel würde schon wissen, was damit zu geschehen hatte. Dann nahm der Raphaelit seinen Stock wieder auf und folgte Rohael.
Als sie hörte wie Noctuel sich näherte, sprang sie brüllend aus dem Gebüsch. "ROOOOOOOOOOOOOOOAAAAAR!" schrie sie, hatte die arme mit gespreizten Fingern erhoben und das Gesicht zu einer bösen Fratze verzerrt. Als sie Noctuels erschrockenes Gesicht sah, fiel die Maske von ihr ab, und sie plumpste zu Boden, um sich dort unten vor lachen zu kringeln.
Der Raphaelit ballte die Fäuste, als sich der Schreck gelegt hatte. Wütend ruckte sein kleiner schlanker Körper herum und machte sich weiter auf den Weg, unablässig irgendetwas von Ramieliten mir Dachschaden, der wohl am Orden liegen musste murmelnd.
Rohael stand auf, und wischte sich die Tränen aus den Augen, um Noctuel dann - immer noch giggelnd und kichernd- zu folgen.
"Bist du bald fertig? Du lockst noch Traumsaat an" zischte er über die Schulter hinweg Rohael zu und wanderte weiter; immer auf den Weg achtend. Gemeinheit sowas!
"Du hättest dein Gesihihihihihi...." Sie räusperte sich. "Du hättest dein Gesicht sehen müssen!" grinste sie, und lief mittlerweile so dicht hinter Noctuel, dass sie seine Flügel hätte packen können.
"Na gut dass ich das nicht kann..." maulte er leise vor sich hin und tappte weiter den Weg entlang. Es dauerte eine ganze Zeit, in der er einfach schweigend vor sich hintrottete und den Weg zurück zum Kloster suchte.
"Och komm schon" maulte Rohael, ergriff seine Flügelspitzen und schwenkte sie ein wenig hin und her. "Sei doch nicht so ein Spielverderber! Hier ist weit und breit keine Traumsaat zu sehen. Außerdem wirds bestimmt bald dunkel...Na gut, das kann man hier nicht so gut sehen, weils hier ja eh dunkel ist, aber trotzdem..."
Seine Flügel ruckten kurz; zogen sich aus ihren Fingern. "Das war nicht sehr witzig... überhaupt nicht... aber wir sind ja bald da..." er seufzte und zuckte hilflos mit den Schultern. Sicher hatte sie es nicht so gemeint... hoffte er.
"Sind wir? Woher weisst du das?"
"Weil ich da oben die Türmchen des Klosters sehen kann..." meinte er leise, hob die Rechte und deutete vage zwischen den Bäumen und dem Gesträuch hindurch. "Da... ich glaube wir sind etwas im Kreis gegangen.."
"Pass auf!" sagte sie, als Noctuels Fuß ins Wasser platschte, schnappte nach seinen Flügeln und zog ihn zurück. Kurz darauf begann das Wasser zu brodeln, und das schimmern von Fischen was zwischen den Blasen zu sehen.
"Huch!" machte er und tat einen flügelschlagenden Hüpfer zurück; seine Augen dabei erschrocken aufs Wasser gerichtet. "Da... danke, Rohael... was ist das?"
"Hm... Fische?" Auf Noctuels bösen Blick hin dachte sie noch einmal nach. "Hmmmmm... Es gibt so kleine Fleischfressende Fische... Aber die leben hier normalerweise garnicht... Aber das scheinen die zu sein..." Sie zuckte mit den Schultern. Einmal konnten ihre Bücher ihr nicht weiterhelfen.
"Oh... ähm... in Ordnung, dann müssen wir uns einen anderen Weg suchen..." murmelte er uns sah sich um, ob es einen Weg gab den sie nehmen konnten.
Beim Umblicken stellte Noctuel fest, dass sie fast von jeder Seite von dem übelriechenden, schleimigen Wasser umgeben waren. Wo war der Weg den sie gekommen waren? Rohael sah sich um. Hier sah alles gleich aus!!!
Der Raphaelit schein dies zu spüren, denn plötzlich war er neben ihr und nahm einer von Rohaels Händen in seine. "Komm mit..." sagte er leise, ließ ihre Hand nicht los und zog sie hinter sich her, rasch eine der wenigen trockenen Stellen überwindend. "Wir müssen uns etwas anderes einfallen lassen, fürchte ich..."
Rohael blickte ihn aus ihren großen Augen an und schluckte. Ja, er würde schon einen Weg finden. Sie biss sich auf die Unterlippe, und folgte ihm am Arm gezogen.
"Hier ist es wenigstens wieder trocken. Hm... steht in den Büchern, die du gelesen hast auch irgendetwas darüber wie man sich verhält wenn man in so einer Situation ist? Ich meine... irgendetwas muss es doch geben, wonach wir uns richten können... " meinte er, blieb stehen und blickte sie nachdenklich an, als sie weit genug von dem gefährlichen Gewässer weg waren.
"Hmmmmm...." Rohael musste sich stark konzentrieren. Sie hatte heute schon so viel nachgedacht, und dabei hatte sie nichtmal gefrühstückt. "Hmmmmmmmmmm! Ah! Also, ich hab mal was gelesen, was Kinder früher gemacht haben, wenn sie im Wald übernachtet haben... So...zu Essen gesucht und so.... und wie die sich Zeichen gemacht haben wo sie schon gewesen sind, damit sie nicht im Kreis laufen!" "Zeichen? Das klingt gut!" Noctuels Gesicht hellte sich schlagartig etwas auf. "Hast du Kohlestifte oder so etwas dabei? Kann man damit Zeichen auf Bäume machen die etwas bleibend sind? Und essen... naja, also irgendwo in meiner Tasche habe ich noch etwas Trockenobst glaube ich... das reicht bestimmt auch für zwei Portionen.."
"Hm, ja, also die haben früher so Grasknoten gemacht... oder Stöckchen gelegt... und wenns regnet würde Kohle doch abgewaschen... Und Obst, sehr gern, denn die Kinder haben früher nach Würmern gesucht um die zu essen, weil das irgendwie gesund war oder so..." Ihre Konzentration ließ schlagartig nach, und sie rieb sich die Schläfen.
"Grasknoten? Stückchen? Hmmmmm... okay, das klingt auch gut... und das Verwischen der Kohle stimmt sicher auch..." Der Raphaelit kicherte bei dem Gedanken an das Essen von Würmern leise. "Hm... ich suche trotzdem ein paar, bevor wir zurückgehen, glaube ich..." "Wofür denn?" fragte sie, und bückte sich, um ein Büschen langes gelbes Gras abzureißen.
"Ach... vielleicht freut sich Cadmiel, wenn wir ihm etwas mitbringen... die Regenwürmer hören auch ganz bestimmt zu wenn er wieder einen seiner Vorträge über Disziplin und Achtung hält..." erklärte der weiße Engel leise und zog eine Grimasse beim Gedanken an die oft todlangweiligen Monologe des goldenen Engels, die er auf dem Weg hierher mit ihnen gehalten hatte.
Rohael runzelte die Stirn, dann kicherte sie. "ahja... interessant." Sie rupfte Gras ab, und klemmte es Büschelweise in hinter ihren Gürtel.
"Ähm... ich dachte wir sollen unseren Weg markieren und nicht uns?!?" Noctuel betrachtete verwirrt, wie Rohael sich Gras in den Rock stopfte und kicherte leise. "Bald siehst du aus wie ein Grashügel..."
"Dann seh ich wenigstens besser aus wie du, Gras ist nämlich hübscher als ein Tintenfleck!" sagte sie und streckte Noctuel die Zunge raus. "Ne, das is wenn wir mal wo sind wo kein Gras wächst." erklärte sie dann, mit einer Stimme wie die eines ungeduldigen Lehrmeisters bei einem unheimlich verblödeten Schüler.
Dann drehte sie ein Büschel Gras was noch im Boden verwachsen war zu einem Knoten und sah Noctuel an. "Siehst du?"
"Ähm... jaha... ich sehs..." machte er verhalten kichernd und rupfte ebenfalls Grasbüschel aus. Vielleicht fand er dabei ja wirklich ein paar Regenwürmer...
Irgendwann stand Rohael auf, den Gürtel rundrum vollgestopft mit Gras. Mittlerweile war ihre Tasche getrocknet, und sie entknotete ihren Rock und packte ihre Sachen wieder um. Jertzt hatte sie eine Blaue Tasche. Auch fein.
"HA!" Ein leises Jubilieren vonseiten Noctuels machte die Ramielitin aufmerksam, und als der weiße Engel seine Matschverdreckte Linke öffnete und ihr unter die Hand hielt verstand sie auch warum: Fünf lange, zusammengeringelte Würmer langen in der Hand des Heilers, und dieser grinste bis über beide Ohren.
Rohael quiekte auf, stolperte rückwärts über eine Wurzel und landete auf ihrem Po. "Spinnst du?!" schnaubte sie. "Mir diese ekligen Viecher unter die Nase zu halten!" Sie wollte aufstehen, doch stand sie auf ihrem Flügel und fiel gleich nochmal hin.
"Aber die sind doch nicht eklig! Die sind wichtig, damit der Boden gesund bleibt und fruchtbar ist.." erklärte er und begutachtete die fünf Ringelwürmer neugierig bis fasziniert. "Du weißt doch... der Herr erschafft nichts ohne das es notwendig, gut und wichtig ist.." "Ich weiß, trotzdem, er hat de Dinger für _unter der Erde_ gemacht, also sollen die da auch bleiben... kannst du keine...Marienkäfer nehmen? Oder Maikäfer oder sowas?"
"Davon hab ich keine gefunden... aber du kannst mir ja beim Suchen helfen, vielleicht überlege ich es mir dann.." meinte er kichernd und war mit den Augen schon wieder suchend am Boden.
Rohael grunzte. Als ob Maikäfer am Boden krabbeln würden. So steckte sie alles gut fest, tappste zu einem Baum, und begann ihn hinaufzuklettern, was sich dank der riesigen Flügel als recht schwierig erwies.
"Pass gut auf da oben.." rief er ihr zu und beobachtete Rohaels Kletterversuche mit gemischten Gefühlen. Hoffentlich passierte nichts... und hoffentlich war dort keine Traumsaat...
Irgendwann umgab Rohael ein Gewirr aus Blättern und Ästen. Und tatsächlich, hier gab es Käfer. Wie Äpfel pflückte sie sie von den Ästen und begann dabei ein Liedchen zu pfeifen. :
Noctuel trat von einem Fuß auf den anderen, die Regenwürmer dabei in seiner Hand wiegend. "Hast du welche Gefunden?" rief er bald neugierig herauf und versuchte etwas mehr zu sehen.
"Ja, ich komme wieder runter!" Vorsichtig begann sie den Abstieg, doch ihr Flügel verhakte sich, und sie glitt aus. Quiekend fiel sie zwischen den Ästen hindurch, bis der Sturz irgendwann von Flügeln und Rock mit einem Klauten KNACK und einem Reißen beendet wurde.
Tränen standen ihr in den Augen als sie, im Baum etwa 2 Meter über dem Boden hängend hilflos zu Noctuel hinuntersah.
"Oh... verdammt verflucht!" entfuhr es ihm, als er den Schreck überwunden hatte. Rasch legte er seinen Würmerfund ab und begann vorsichtig am Baum hochzuklettern, in welchem Rohael zappelnd hing. "Warte... ich versuche dir zu helfen... aber halt dich irgendwo fest, damit du nicht weiterstürzt.." rief er ihr zu und befreite ihre verkeilten Flügel so gut es mit einer Hand ging aus dem Geäst.
Rohael klammerte sich mit den Händen an einem Ast fest und biss die Zähne zusammen. Nicht weinen. Als plötzlich das Gewicht von ihren Flügeln genommen wurde rutschte ihr Körper an ihr vorbei, und ihre Hände schafften es nicht, das plötzliche Gewicht zu halten, so rutschten ihre Finger von dem Ast und sie fiel zu Boden. Erneut gab es ein ekelhaftes Knacken, und sie fiel um, und blieb dort mit umgeknicktem Flügel und seltsam bläulich abgeknicktem rechten Fuß liegen.
Er schaffte es so gerade, sich aus ihrer Fallreichweite zu ziehen, sonst hätte sie ihn mitgerissen. Zitternd klammerte sich der Raphaelit an dem Baum fest und kletterte langsam herunter, um sich dann mit besorgtem Blick über Rohael zu beugen und ihr die Hände aufzulegen, um genau festzustellen, welche Verletzungen die Schwester erlitten hatte.
Rohael hielt die Augen geschlossen, dennoch sah sie die Sterne. War es etwa schon Nacht? Und warum pochte ihr Kopf so? Und wieso Spürte sie ihren linken Flügel nicht? Und warum hatte sie das Gefühl, ihr Fuß würde brennen? Und ihre Hände, warum kribbelten die So? Sie versuchte sich aufzurichten, doch die Sterne begannen zu tanzen. Rohael sank zurück und lachte. Die Sterne tanzten!!
Es dauerte lang und Noctuel musste all seine Konzentration aufbieten, damit er den Flügelgelenksbruch, die unzähligen Schrammen sowie den Knöchelbruch wieder zusammenflicken konnte. Als er fertig war - und seine Hände nicht mehr vor lauter Kribbeln schmerzten- ließ er sich tief atmend neben Rohael auf den Boden plumpsen und beobachtete sie, immer noch leicht besorgt schauend. Hoffentlich hatte er nichts übersehen. "Rohael..?"
Rohael blinzelte. Wo waren die Sterne hin? "Noctuel? ist es schon wieder Tag? Was schnaufst du so?" Sie setzte sich langsam auf. "Hui Noctuel, hör auf rumzutanzen...Das macht mich ja ganz wirr..."
"Langsam... ganz langsam; das hätte eben noch böser ausgehen können..." murmelte er erschöpft und seufzte leise. "Meinst du wir könnten hier irgendwo unser Lager aufschlagen und etwas ruhen?"
"Wir könnten ja einfach hierbleiben...?"
"Ja... glaube schon dass das geht..." meinte er und blickte sich um, sofern er noch etwas sehen konnte. Ja, hier würde es sich bis zum nächsten Tag aushalten lassen... und dann weiter.
Rohael streckte sich, und ihre Knochen knackten leise. Dann lehnte sie sich an den Baum und sah hinauf in die Blätter. "Früher nannte man sowas "Camping""
"Camping ist doof..." nuschelte der weiße Engel in seine Flügel gekuschelt. Er war müde und erschöpft; wie gern wäre er jetzt in irgendeiner Cella in Gratianopel gewesen. Aber das ging jetzt nicht und deshalb versuchte er ganz ruhig zu werden und zu meditieren.
"Hm." Rohael verstummte, legte sich die Flügel um den Körper und blickte hinüber zu dem, was sie in der Dunkelheit noch von dem Raphaeliten sehen konnte. 'Doofer Kerl. Spaßbremse und viel zu launisch.' Sie verschränkte die Arme vor der Brust, legte den Kopf darauf und verschwand in die Kathedrale der Gedanken.
Die Nacht verlief ruhig, auch wenn der weiße Engel irgendwann glaubte es unweit von ihnen seltsam Knacken gehört zu haben... aber diesen Streich spielten ihm wohl seine überreizten Nerven.
Früh am nächsten Morgen kehrte Rohael aus der Kathedrale zurück. Sie stand auf und klopfte sich das Gewand aus. Dann schüttelte sie ihr Gefieder und reckte sich, unterstützt von einem lautstarken Gähnen. "uuuuaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Was für ein schöner Morgen! Wenn auch ein wenig...ähm...Dunkel...und nass" Fügte sie hinzu, als ihr Blick auf den Boden fiel, der nass von regen war, überall dort, wo die Blätter nicht dicht genug waren.
Ein Gähnen drang aus dem Federhaufen, der sich kurze Zeit später als Noctuel entpuppte, in dem dieser aufstand und sich ausgiebig streckte. "Morgen, Schwester... wie geht es dir?" fragte er und legte fragend den Kopf schief.
"Wunderprächtig!" sagte Rohael grinsend. "Was gibts zum Frühstück?"
"Obst, Obst und... Obst?" grinste er kurz und hielt der Ramielitin seinen Beutel mit Trockenobst unter die Nase. "Bon appetit, Rohael.." : "Ieh, das is ja gesund!" sagte sie und langte grinsend in den Beutel. "Und schmeckt sooo ekelhaft, dass mans schnell vernichten muss, damits kein anderer isst und dem womöglich schlecht davon wird!" fügte sie hinzu, und biss hinein.
"Hmja... schnell vernichten ist gut..." gnichelte er vor sich hin und langte ebenfalls zu. Kauend lehnte er sich etwas zurück und betrachtete das Blätterdach. "Schade dass es so dicht ist... ich würde gern wieder fliegen..."
"Mhm, pforallöm, fürde if gerne wieder fürüp inf pfosta!" mampfte Rohael. "If färmife meine büfa!"
Noctuel brauchte ein paar Augenblicke, um das gekaute Kauderwelsch richtig zu interpretieren, nickte dann aber grinsend. "Du mit deinen Büchern... ich vermisse das Herbarium.."
Rohael schluckte. "Du mit deinem Grünzeugs! Schon ne Ahnung wo wir heute hinlaufen?"
"Ehrlich gesagt, nein... aber ich finde dass du heute ruhig sagen könntest wo es langgeht, da ich das gestern getan hab. Vielleicht findest du besser zurück als ich..." kam es nach einem kurzen Herunterschlucken des Frühstücks von dem weißen Engel, wozu er bekräftigend nickte.
Im ersten Moment hoben sich ihre Brauen erstaunt. Dann fing sie an zu lachen. "Na fein! Wenn wir in Grönland ankommen, sagst du mir bescheid ja?"
"Hm... wenn du mir sagst wo Grönland liegt bestimmt... sogar gerne" meinte er und kicherte leise. Er war doch kein Urielit...
Rohael grinste. "Irgendwo kommen wir schon aus." Sie streckte sich erneut. "Kommst du dann?"
"Sofort.." Der Raphaelit sammelte seine Habseligkeiten zusammen, gürtete sich neu, hob seinen Stock auf und folgte dann Rohael, weiter in den Wald.
Rohael tappste voraus, Abzweigungen mehr mutwillig wählend denn aus handfesten Hinweisen aussuchend. Sie hinterließ eine Spur aus Gras, das ihr langsam aber sicher aus dem Gürtel rieselte.
Der kleine Heiler sah sich nachfolgend immer wieder um und versuchte sich zu orientieren, damit nichts passierte so wie am gestrigen Abend. Seine Gedanken schweiften kurz in Cadmiels Richtung ab, der sich sicher schon furchtbare Sorgen machte. Ein Jammer dass er sie für die kurze Zeit nicht in die 'Seele der Schar' hatte aufnehmen wollen; so fiel dieses Mittel der Kommunikation schonmal flach. Hoffentlich würde er nicht allzu zornig sein, wenn sie wiederkamen...
Plötzlich öffnete sich das Unterholz, und unter der dichten Blätterdecke standen die beiden Engel vor einer steilen Erdwand. Darin war eine Wand einmauert, in der eine Tür war. Hier stank es bestialisch, fliegen schwirrten durch die Luft, der boden war von schwarzer erde. Rohael rümpfte die Nase. "Keine Ahnung wo wir sind, aber ich hab was gefunden!"
"Oh Himmel..." murmelte der Heiler überrascht und hielt sich die Nase zu. Das roch ja wie Verwesung... "Willst du wirklich hier weiter? Mir gefällt das gar nicht..."
"Hmmm....Ich glaub, da will ich auch nicht rein....Nicht so ganz so wirk..." Ein Grollen ertönte, ein Echo von Schritten. Rohaels Augen weiteten sich. Sie sah sich um zu Noctuel, und sprang hinter die Büsche am Rande der Lichtung.
Erschrocken japsend tat er es ihr gleich, zog hinter dem Gebüsch Flügel, Arme und beine eng an den Körper und versuchte, sich so verborgen zu halten und trotzdem etwas von dem zu sehen, was sich sicher gleich tun würde.
Nach einiger Zeit tat die Tür sich auf, und zwei komplett schwarz verhüllte Gestalten traten heraus. Dann folgte ein dritter, der etwas an einer Leine hinter sich herführte. Ein...Mensch, oder irgendetwas, was einmal ein Mensch gewesen war.
Flügelansätze hatten sich durch seinen Rücken gebohrt, seine Hände hatten sich zu langen Klauen deformiert, und seine haut war von borstigen, dicken haaren übersät. Genauso entsetzt wie angeekelt spähte Rohael mit offenem Mund durch das Gestrüpp. Was ging hier vor? Noctuels Magen krampfte sich zusammen, als er den Versuchten erblickte, denn um nichts anderes konnte es sich bei dem halben Menschen handeln. Er hatte Bilder gesehen und Vorlesungen darüber gehört, was mit den menschlichen Wirtskörpern verschiedener Traumsaat passieren konnte... aber so etwas direkt und hautnah zu sehen war doch etwas ganz ganz anderes. Weiter verhielt sich der weiße Engel still und betete zu Raphael, dass man sie nicht finden würde...
Mit weit offenen Augen starrte Rohael den Leuten hinterher. "Hast du das gesehn?! was waren das für welche?!" sie sprang auf. "Wir müssen Cadmiel finden! Wir müssen bericht erstatten! Schnell!"
Doch die Leute waren nicht weit genug weg. Dieses...Ding...gab ein paar Geräusche von sich, es knurrte, und zerrte an der Kette. Auch die anderen Menschen hatten sie gehört, waren umgekehrt und eilten zurück. "Ups" war das letzte, was Rohael noch sagen konnte.
"Lauf... sofort!" raunte er ihr zu, griff sie beim Handgelenk und zerrte sie mit eng an den kindlichen Körper gezogenen Schwingen hinter sich her, nur weg von ihrem Verfolgern. "Kannst... kannst du dich wehren, falls wir das müssen?" keuchte er leise, immer weiterhastend, dabei aber so gut es ging auf den Weg achtend.
Rohael keuchte auf, als er sie packte und mit sich zog, im ersten Moment schliffen ihre Schwingen hinter ihr her auf dem Boden, dann zog sie sie an. "Ich...Ich hab irgendwo ein kleines Messer... a-aber so richtig gekämpft hab ich damit noch nie...." ihre stimme zitterte. Doch dann wurde sie ruhiger. Manchmal waren mächte halt doch ganz nützlich. "Aber ich kann seine Schwächen ausfindig machen...das hab ich oft trainiert!"
"Es sind drei Menschen; wahrscheinlich im Kampf erfahren. Der Versuchte wiegt vielleicht ebenfalls drei Menschen auf.." ratterte er herunter und versuchte sich möglichst genau an das Zu erinnern, was er mal in einer Vorlesung über taktische Manöver und Kampf gehört hatte. Verdammt; warum nur war er in diesem Moment kein Gabrielit? Oder warum hatte er sich nicht mehr im Kampf ausbilden lassen? So rannten sie weiter, so schnell sie ihre Beine trugen. "Wir... wir brauchen ein Versteck und einen Plan... nein, zwei; noch einen für den Notfall..."
Rohael stolperte hinter ihm her. Sie war es nicht gewohnt so viel zu rennen. Und Bald schon passierte das, was kommen musste: sie stolperte und fiel. Hinter sich konnten die beiden engel die Menschen kommen hören, wie sie sich lautstark durch das Gebüsch wühlten. Rohael rappelte sich auf. Dann kam ihr ein Geistesblitz. "Noctuel! Da, hinter die Büsche! Und dann schaufel Laub über dich! so haben sich die Kämpfer früher immer getarnt! das könnte funktionieren!!!"
"Und was machst du?" keuchte er und ließ ihre Hand nicht los.
"Das gleiche?" Jetzt zog sie an seiner Hand, und zerrte ihn in die Mitte einiger hoher Büsche. Dann schmiss sie sich auf den boden und bewarf rücken und die eng angezogenen Schwingen mit so viel Laub wie sie fassen konnte.
Noctuel tat es ihr rasch gleich und versuchte dabeo so gründlich wie möglich zu sein. Als er fertig war blieb er ganz still liegen, atmete flach und betete um ihr Leben.
"DA! ICH HAB EINEN!" schrie einer der Männer, und grabschte in den Busch.
Er griff jedoch nur nach einer Rolle Pergament, die Rohael verloren hatte. Einer von den anderen schlug ihm auf den Kopf. "DU nichtsnutz! Was sollen wir mit Pergament?! Weitersuchen!" Die Männer huschten weiter, und von den Engeln weg.
Er wagte es kaum zu atmen, und erst nach Minuten hob er den Kopf und blickte sich vorsichtig um. Nichts war mehr zu hören... aber waren die Männer wirklich weg?
Rohael hatte die Augen zusammengekniffen und die Hände auf die Ohren gedrückt. 'sie sehen mich nicht, sie werden mich nicht finden, ich bin garnicht da, die sehen mich nicht, die lassen mich in ruhe....' Doch die Männer kamen nicht zurück.
Sacht stubste er seine ramielitische Schwester in die Seite und flüsterte: "Leise; ich bins nur... lass uns verschwinden; schnell..." 'Sie werden mich nicht finden, sie werden mi...' Eine Hand. berührte sie. "AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH NEIIIIIIIIIN! HILFEEEEEEEEEEEEEEE!" sie sprang wie von einem ganzen Wespenstaat gestochen auf, rannte drauflos. verfing sich im Gebüsch, verkratzte sich die Haut. Rappelte sich wieder auf, verfing sich erneut. Brach durch, und fiel vornüber erneut hin. Immer weiter schreiend und vor was-auch-immer wegrobbend.
"Herr Raphael... du prüfst deine Kinder auf seltsamen Wegen.." murmelte der weiße Engel abgrundtief seufzend und griff sich die kreischende Rohael, um ihr eine Hand auf dem Mund zu drücken, leise ein 'ruhig; ich bins nur' zu zischen und sie dann im nächsten Gebüsch zu verstecken. "Wir müssen hier weg..."
Rohael keuchte. „Fpinft fu?! Df wf if flbr!" nuschelte sie in Noctuels Hand.
Langsam nahm er seine Hand herunter und blickte Rohael aus ernsten blauen Augen ins Gesicht. "Ruhig... bitte... wir müssen einen Ausweg finden, und das rasch, Rohael.."
Rohael nickte. "Ja...ich weiß... V...Vielleicht können wir ganz hoch auf einen Baum klettern und von da aus starten? Hier....hier müssen ja noch mehr von den Leuten herumlaufen....oder?"
"Ich glaubs auch, ja... und das Klettern ist vielleicht sehr sehr schwierig, aber es wäre möglich... vorausgesetzt du kannst von einem Baum aus starten...?" meinte er leise und sah sich nach einem einfach zu bewältigenden, aber hohen Baum um.
Ich habs noch nie ausprobiert" stänkerte Rohael. "Was hältst du von dem da?" sagte sie, und deutete auf einen hohen Ahornbaum. "Lass es uns versuchen" machte er und nickte. "Geh.... ähm... kletter du vor, ja?"
Rohael nickte, sah sich kurz um und tappte dann schnell hinüber zu dem Baum. Eng zog sie die Flügel an den Körper, sprang, bekam einen Ast zu fassen und zog sich hoch. Recht geschickt kletterte sie hinauf in die Krone, darauf bedacht der Vorfall vom letzten Abend nicht noch einmal zu wiederholen.
Der weiße Engel wartete, damit Rohael auch genug Platz zum klettern hatte, sah sich dann um und huschte seiner Schwester von den wissenden Engeln hinterher. Es war für ihn nicht sehr schwer, ebenfalls einen Ast zu fassen zu kriegen und sich hinter ihr herzuhangeln; dafür tat er zu gern zu viel komplizierte Dinge, die Geschick erforderten, so wie diese hier.
Als sie die dünnen Äste erreicht hatte, konnte sie endlich den mittaglichen Himmel sehen. Wacklig stand sie auf einem dünnen Ast, zum Glück war sie nicht so schwer. Sie breitete immernoch schwankend die Flügel aus und stieß sich ab.
Der Ast gab unter ihr nach und brach. Doch sie schaffte es hoch genug, um heftig mit den Flügeln schlagend langsam aufzusteigen - nicht ohne mit den Flügeln ein paarmal gegen den Baum zu schlagen. Dann flog sie ein Stück höher und ein paar Kreise um auf Noctuel zu warten. Ein breites, erfreutes Grinsen huschte über sein Gesicht, als er Rohael fliegen sah. Sie hatte es geschafft! Der Raphaelit kletterte in den dünnen Ästern etwas langsamer als seine Schwester und bewegte sich sehr vorsichtig, während er sich zwang nicht nach unten zu sehen. Er wollte gar nicht wissne WIE tief er fallen konnte... . Irgendwann hatte er einen Ast erreicht, der hoch genug war und ihn hielt. Ein kurzes "Raphael, steh mir bei" verließ seine Lippen, als er zu einem halben Sprung ansetzte und sich abstieß.
Der Ast unter ihm brach zwar nicht, doch peitschten die um ihn herum hängenden Äste sein Gesicht, was ihm einen blutigen Schnitt einbrachte, der quer über sein Gesicht verlief. Ein leises Zischen des Schmerzes kam über seine Lippen, doch schlug er tapfer mit den Flügeln und hielt sich so in der Luft, um schließlich aufzusteigen und seiner Schwester zu folgen.... ziemlich erleichtert, wie er zugeben musste.
Rohael sah erleichtert wie Noctuel unter ihr aufstieg. "Noctuel! Komm, da entlang zum Kloster! Cadmiel wartet bestimmt! Schnell!" Sie flog Richtung Norden, da wo sie hinter dem Wald die Klippe der Stadt erkennen konnte. Sooooooo weit waren sie gelaufen? Egal, irgendwo war das Kloster. Und das war jetzt das einzige was wichtig war.
Mit ein paar kräftigen Schlägen seiner Schwingen war er in ihrer Nähe und ließ sich von einem Aufwind noch höher in die Luft drücken. Das war viel zu schön, um wahr zu sein; endlich, endlich konnten sie wieder fliegen! Cadmiels Name und selbst der Gedanke an Schelte kümmerten ihn in diesem Augenblick nicht; er wollte einfach nur genießen, dass sie entkommen waren und bald wieder 'heim' kehren würden. Bald sah Rohael das Kloster. Erleichtert landete sie stolpernd im Hof, dicht gefolgt von Noctuel. Und sofort kam Cadmiel auf sie zugestürmt. Neben dem Ab des Klosters und einer großen Gabrielitin. Allesamt sahen sie sehr wütend aus. Schon unter ihren Blicken schrumpfte Rohael zusammen.
Der goldene Scripturaträger sprach kein Wort; sein Blick reichte aus um die beiden Signumsträger schlotternd stehen bleiben zu lassen. Verdammt ja, er WAR wütend, so wütend wie man nur irgend sein konnte. Der Ab hatte zu beschwichtigen versucht, als die Rückkehr der beiden gemeldet worden war, aber wie konnte ein Mensch verstehen, was er als Kind Michaels für eine Verantwortung innehatte und wie schändlich ungehorsame Engel sich auf den Ruf auswirkten, noch dazu dann wenn sie nicht einmal eine wirkliche Schar bildeten?
Die Stimme des Ab war eisig. "Folgt uns." Er wandte sich um, und ging wieder zurück zum Tor. Die Gabrielitin schnaubte, drehte sich ebenfalls um, und folgte dem Ab. Rohael blickte dem Ab und der Gabrielitin nach - zu Cadmiel zu blicken traute sie sich nicht. Als sie mit langsamen Schritten folgte, bemerkte sie nur noch, wie eine Urielitin im Hof landete. Dann tappte sie mit gesenktem kopf weiter.
Der Raphaelit sagte nichts und folgte ebenso kleinlaut dahertappend den anderen Engeln. Cadmiel ging als letzter und hinter ihm, sodass Noctuel die bösen, stechenden Blitze spüren konnte, welche die Augen des Michaeliten in seine Flügel und in den Rücken bohrten.
Der Ab führte die Engel in seine Gemächer. Dort stellte er sich mit hinter dem Rücken verschränkten Armen an das Fenster, den Rücken zur Raummitte gewandt. Die Gabrielitin stellte sich neben seinem Schreibtisch auf, Rohael blieb in der Mitte des Raumes stehen. Hinter ihnen betrat die fremde Urielitin den Raum, blieb aber an der hintersten Wand stehen.
Noctuel tappte langsam in den Raum und wollte gerade stehenbleiben, erhielt aber einen Schubser vom goldenen Engel, der sich hinter ihm durch die Tür schob und sich auf der noch freien Seite des Schreitisches aufstellte. 'Die drei sehen aus wie Richter, Ankläger und Vollstrecker...' schoss es Noctuel durch den Kopf, der nun neben Rohael stand und zitternd wartete.
Rohaels Augen huschten rüber zu Noctuel. Er sah genauso eingeschüchtert aus wie sie sich fühlte. Sie fühlte sich auf seltsame Art und Weise mit dem weißen Engel verbunden - Zusammen hatten sie den Wald überlebt. "Noctuel...Du bist mein bester Freund..." flüsterte sie leise, und fing sich dafür sofort einen strafenden Blick der Gabrielitin ein.
Langsam drehte der Ab sich um, und sah jeden von ihnen lange und ausdruckslos an. "Was" begann er dann "Habt ihr euch eigentlich dabei gedacht?"
Der Raphaelit musste den harten Kloß im Hals hinunterschlucken, als er Rohaels leise geflüsterte Worte hörte. 'Das kann ich nur zurückgeben' dachte er bei sich und hob nun doch den Kopf, um den Ab anzusehen. Sie würden Rohael nicht bestrafen; nicht wenn er es verhindern konnte. "Es... es ist meine Schuld. Ich habe Rohael erschreckt, als sie dort am Hang saß und etwas beobachtete, weshalb... wir beide den Hang hinuntergerutscht sind" erklärte er und fügte den ganzen Rest ihrer Geschichte an. Er ließ nichts aus, beschönigte aber auch nichts, sondern schilderte klar was geschehen war; dass sie beide ohne seine albernen Unachtsamkeit nicht in dieser Situation gewesen wären.. "...und das ist die ganze Gesichte... Es tut mir leid.." endete der weiße Engel und senkte den Blick. Stille trat in den Raum. 'Bitte bitte bitte bestraft Rohael nicht; sie kann nichts dafür... absolut nichts...' dachte er und biss sich auf die Unterlippe, während sich seine Finger in seinem zerschundenen, fleckigen Kriegsrock verkrampften.
Der Ab und die drei großen Engel wechselten vielsagende Blicke. Dann sprach die Gabrielitin. "Das entschuldigt ü-ber-haupt nichts! ihr seid unerfahren, klein und kämpferisch unfähig, ihr hä-"
"Narufiel, sei still." Der Ab wandte sich wieder den beiden Engeln zu.
"Sie trägt genausoviel Schuld wie DU Noctuel. Sie hätte sich nicht von Cadmiel entfernen dürfen, genau wie du. Ihr seid unerfahren, und ihr habt euch und andere in unnötige Gefahr gebracht. Auch euer Fund entschuldigt NICHTS." Er trat vor den Schreibtisch.
Rohael hatte den Blick gesenkt, die Hände hinter dem Rücken ineinander verschlungen. Sie wollte nicht, dass man Noctuel bestrafte. Aber sie traute sich nicht etwas zu sagen. Sie biss sich auf die Lippe. Ihre herunterhängenden Flügel streiften die Noctuels.
Dieser plusterte seine Flügel unmerklich auf, sodass ein leichter Gegendruck entstand, der Rohael zeigen sollte, dass sie nicht allein war; egal was passieren würde. Das schlimmste war der Blick des goldenen Engels: strafend, anklagend und erbarmungslos... so musste Michael selbst ausgesehen haben, wenn er SEIN Wort verkündete.... furchtbar anzusehen in seiner erbarmungslosen Schönheit.
"Zur Strafe werdet ihr in Klöster versetzt, und werdet Arbeiten erledigen. Yarael?" Die Urielitin hinten an der Wand trat vor. "Du bringst Rohael zuerst nach Mont Salvage. Von dort aus geht es weiter zu dem ihr bestimmten Kloster. Cadmiel, du bringst Noctuel nach Roma Aeterna, und ebenfalls von dort aus weiter zu dem für ihn bestimmten Kloster."
Rohaels Augen weiteten sich vor Entsetzen. "Nein!" sagte sie, doch die Urielitin packte ihr Handgelenkt mit festem Griff. "Ich will nicht weg! Lass mich los!" sie versuchte sich zu wehren, schrie mit zitternder, verzweifelter Stimme. "NOCTUEL!" Sie wurde um die Ecke gezogen. Dann hörte man ein Klatschen. Und Rohael begann zu weinen.
Dann Flügelrascheln.
Stille.
'pock, pock, pock...' Der weiße Engel merkte, dass sein Herz plötzlich langsamer zu schlagen schien; alles lief unglaublich langsam und quälend vor seinen Augen ab. Stumme Tränen rannen über seine Wangen, begleitet von einem tonlosen "Ich bin bei dir, Schwester... immer bei dir.." als sich plötzlich eine schlanke Hand schwer auf seine linke Schulter legte. Als er den schimmernden Blick hob wurde er des blonden Michaeliten gewahr, der ihn einfach nur aus unheimlich leuchtenden, blauen Augen an sah und zwei einfache aber unglaublich machtvoll wirkende Worte sprach: "Komm, Noctuel.."
Der Macht, die Cadmiel über seinen Geist gewann hatte er nichts entgegenzusetzen. Alles, was ihm blieb waren seine Trauer tief in seinem Herzen und der Zorn, den er auf sich selbst und auf die Ungerechtigkeit an sich empfand. Willenlos ließ er sich von Cadmiel zu den Flugplattformen führen, da sie sogleich losfliegen wollten. Die Schande, in zerrissenen Kleidern in den Himmel zu Roma zurückzukehren und vollkommen verdreckt zu sein war nur noch ein I-Tüpfelchen.
~*~*~
Die beiden kleinen Engel wurden von den älteren in die zugewiesenen Klöster gebracht. Rohael musste alte Bücher übersetzen und sortieren, Noctuel durfte mit einer alten Begine Kräuter sammeln gehen. Beide hofften, den anderen bald wiederzusehen. Doch was sie nicht wussten war, dass der Ab ein schreiben eingereicht hatte, die beiden Engel getrennt zu halten. Aufdass sie sich niemals wiedersehen würden...