Voller Stolz präsentiere ich... die ganze Wahrheit über das Rollenspiel Engel von Feder und Schwert... Mit dem Segen des Machers, muß ich betonen
Allerdings sind diejenigen Leser klar im Vorteil, die Engel UND den Film Ice Age kennen...
Der Sendbote
Ein kleines, etwa eichhörnchengroßes Geschöpf; ein Säugetier. Eingeschlossen in einen fast glasklaren Eisblock wurde es an die Küste gespült, wo ein Mitarbeiter es gefunden hatte. Nun wurde es im Labor in einer spezielle Quarantänekammer aufgetaut - zusammen mit der ebenfalls gefrorenen Eichel, die in dem Eis steckte, und der das Geschöpf mit hervorquellenden Augen und weit vorgestreckten zierlichen Vorderpfoten nachjagte. Auf ewig, eingeschlossen im Eis rannte es hinter seiner Eichel her. Die Kreatur selbst war seltsam anzusehen: eine langgestreckte, dünne Schnaze, an deren oberen Ende eine dunkle Nase saß; am unteren Ende ragten zwei lächerlich wirkende, dolchartige Zähne hervor. Die Schnauze selbst war mit kleinen, kaum ernstzunehmenden Zähnen besetzt. Oben im Kopf saßen zwei riesige, weit hervortretende Augen, hinter denen runde büschelige Ohren saßen. Der Körper war relativ gedrungen und kompakt, mit zwei zum Greifen geeigneten kurzen Vorderbeinen und zwei mächtigen, känguruhartigen Sprungschenkeln. Das Ganze endete in einem buschigen, dunkel gestreiften Schwanz. Das ganze Tier war graubraun, bis auf die etwas helleren, verzweifelt stierenden Augen.
Und nun taute es auf. Zuerst fiel die Eichel aus dem Eisblock. Dann, als die schwarze Nase freilag, begann sie zu zucken. Erfreut darüber, daß das seltsame Tier seinen merkwürdigen Eisschlaf offenbar unbeschadet überlebt hatte, wurde das Auftauen des restlichen Blocks forciert. Das Tier schien sich kaum um den Quarantänekäfig zu kümmern, als es vollends befreit war. Es hantierte mit seiner Eichel.
Drückte sie gegen den Boden, scharrte und kratzte wie wild an den unnachgiebigen Kunststoffplatten. Dann fand es eine Ritze...
Die Seuche
Als das Labor explodierte, hockte das Säbelzahneichhörnchen winselnd in den Trümmern. Das selbe Glück, das es bereits mehr als 20 000 Jahre zuvor vor dem Kältetod bewahrt hatte, rettete ihm auch jetzt das - leicht versengte - Fell.
Schnüffelnd und hoppelnd durchquerte das Skrat die rauchenden Trümmer. Der gezackte Riß, der zuerst den Transportkäfig, dann das Labor zerteilt hatte, war immer noch zu sehen. Überall lagen rauchende Bruchstücke herum. Verschiedene Substanzen dampften vor sich hin.
Das Skrat leckte an seiner Eichel - wenigstens die war unversehrt geblieben, auch, wenn sie etwas scheckig aussah von den seltsamen Flüssigkeiten, mit denen sie in Berührung gekommen war. Skrat hielt inne, leckte dann an einem dunkelroten Fleck. Sein buschiger Schwanz begann zu zittern. Dann bebte der ganze kleine Körper. Es gab so etwas wie eine unerwartet leise Explosion, ein sattes Plöpp, das klang, als ob man einen fest sitzenden Korken aus einem engen Flaschenhals gezogen hätte.
Plötzlich saßen zwei Skrats da und blinzelten sich kurzsichtig (und weitsichtig sowie farbenblind) an. Eines hatte eine Eichel, das andere nicht. Eines hatte einen versengten Schwanz (das mit der Eichel), das andere nicht.
Das Skrat ohne Eichel floh kreischend in die Trümmer und riß dabei mehrere noch intakte Nichtnussige Gefäße um, die klirrend zerbrachen.
Was herauskam, roch schlecht und war schlecht, was die beiden Skrats aber nicht wußten.
Ein Skrat (eines mit Walnuß, denn die Eicheln waren ausgegangen), hockte auf einer weiten Betonfläche und sah sich um. Überall gab es Fugen und genügend Platz, um Nüsse zu vergraben. Es buddelte und scharrte schon seit einer ganzen Weile an einer solchen Fuge herum, als sich dröhnend und lärmend ein landendes menschliches Fluggerät bemerkbar machte, das aufsetze wollte. Skrat (nicht das Ursprungs-Skrat - das war längst an Herzinfarkt verstorben, seit es vergeblich versucht hatte, seine Eichel in einer Gummiwanne zu vergraben...), seinem Ziel nahe, mißachtete die röhrende menschliche Flugmaschine, die donnernd aufsetzte. Die Maschine trug eine medizinische, tödliche Fracht aus infizierten Geschöpfen, die der Seuche erlagen, die derzeit alle Menschen dahinraffte. Dieselbe Seuche, die das Zweite Skrat freigesetzt hatte...
Dieses Skrat aber, unwissend über seine Abstammung - es war mit einem satten Plöpp ins Leben geschleudert worden, nachdem sein Stamm-Skrat seine Eichel verloren und sich entsetzlich aufgeregt hatte - rammte das Unterende der Walnuß in die Fuge. Dann sprang es auf die Nuß und trieb seinen Schatz mit Hopsern tiefer ins Erdreich. Aus der Ferne sah es aus, als ob ein verschwommener, wildgewordener Flummi im LSD-Rausch auf und nieder federte.
Ein Riß entstand. Das Skrat hielt inne. In wildem, rasantem Zickzack weitete sich die Furche aus, riß die Landebahn in zwei Stücke und wurde zu einem riesigen, klaffenden Graben.
Die bremsende Flugmaschine raste in die Furche und brach auseinander. Skrat sah, wie Dinge herausquollen, die keine Nüsse waren, aber schlecht rochen. Skrat zerrte und zog entsetzt an seiner Walnuß.
Plöpp, plöpp, plöpp-plöpp! Vier Skrats rasten kreischend davon, während Skrat mit der Walnuß von einem Trümmerstück weggeputzt wurde.
Trondheim
Im hohen Norden saß Skrat mit einer Eichel. Es hatte lange gebraucht, so ein glänzendes Prachtexemplar zu finden. Vor Freude hatten sich bei seinem Fund fünf Plöpps ereignet, und fünf Skrats waren davongehoppelt, auf der Suche nach eigenen Eicheln.
Jetzt freute Skrat sich darauf, die Prachteichel zu vergraben, aber nicht genug, um noch ein Plöpp zu erzeugen.
Rundherum lag etwas Schnee. Große (sie waren größer als Skrat), fliegende Lebewesen zogen über den Himmel, einer Ansammlung von dunklem Rauch entgegen. Skrat sah sie nur als huschende, graue Schemen, wenn sie herabkamen.
In der Ferne sah er einen weiteren, unbeweglichen, hohen Schemen. Wie ein sehr hoher Baum. Nur hatte dieser keine Blätter. Aber vielleicht gab es dort Eicheln.
Skrat drückte seine Prachteichel in den Boden. Es hatte vergessen, wo es die anderen zwei vergraben hatte. Manchmal gab es Risse, wenn es Nüsse vergrub. Manchmal nicht.
Skrat hopste auf die Eichel und hämmerte sie hüpfend in den gefrorenen Boden.
Ein Riß entstand. Er zackte sich in beängstigendem Tempo auf die rauchige Wolke zu, auf das hell leuchtende und heiße Etwas am vorderen Ende des rauchigen Etwas.
Das hell leuchtende, heiße Etwas änderte plötzlich seinen Kurs, abgelenkt durch den gezackten Riß. Es kam auf Skrat zu.
Skrat erschrak fürchterlich.
Plöpp-plöpp, Plöpp!
Drei Skrats ohne Eicheln purzelten herunter und brachten sich kreischend in Sicherheit. Skrat auf der Eichel wurde von dem heißen, hellen Etwas in eine liebevolle Glutwelle gehüllt und verpuffte einfach. Danach setzte das heiße, brüllende Etwas seinen Weg rasch auf den riesigen, blätterlosen Baum zu fort...
Landverlust
Skrat saß auf einer Landzunge und hämmerte eine Erdnuss in den Boden, enttäuscht über ihre geringe Größe und nicht ganz bei der Sache.
Ein Riß pflanzte sich knirschend in zwei Richtungen von der Nuß fort und wurde immer breiter. Erdmassen gerieten ins Rutschen.
Skrat erschrak.
Plöpp!
Skrats Nachkomme Skrat suchte heulend das Weite und übersah mit seinen kurz-, weitsichtigen und farbenblinden Augen einen Baumstamm, an dessen unterem Ende es dann klebte.
Skrat mit der Erdnuß wurde von einer Schlammlawine begraben, während die Landzunge schäumend im Ozean versank.
Roma Æterna
Außerhalb von der großen Stadt auf dem stiefelförmigen Halbinselgebilde bohrte ein anderes Skrat - ein erfahrenes Skrat, das schon viele Eicheln vergraben und vergessen hatte - eine Eichel in den unnachgiebigen Boden.
Ein Riß entstand. Er züngelte durch den Boden, traf auf Straßenbelag und spaltete ihn einfach. Skrat war erfahren genug, um zu wissen, daß das nicht gut war. Es hechelte winselnd hinter dem Riß her. Es hatte bereits zwei oder drei größere Berge durch Nüsse gespalten, und beides Mal war ihm dabei etwas auf den Kopf gefallen. Das war nicht gut gewesen.
Der Riß überhörte Skrats Gejammer Er eilte weiter durch die große, wuchernde Menschenstadt. Geflügelte Wesen am Himmel sahen den Riß.
Er schoß ein größeres Gebäude hinauf, spaltete es und setzte seinen Weg fort. Trümmer regneten herab.
Vor der Stadt heulte Skrat, in der Angst vor auf den Kopf fallenden Steinen. Es regte sich so furchtbar auf, daß es zehnmal Plöpp machte. Zehn Skrats flohen.
Der Riß hatte ein riesiges Gebäude erreicht, das für Skrat aussah wie ein riesiger, blätterloser Baum. Es hatte vorgehabt, später dorthin zu hoppeln. Dort gab es bestimmt riesige Eicheln...
Doch nun eilte der Riß den blätterlosen Baum hinauf, erreichte seine Spitze und sprengte mit einem kleinen Pliff! einen Steinbrocken ab.
Der Blätterlose Baum fiel auseinander, schleuderte Trümmer in alle Richtungen und ächzte wehleidig über Skrats Dummheit.
Skrat selbst endete als knapp ein Quadratmeter großer Fladen an der Unterseite eines größeren Trümmerbrockens.
Skrat...
Irgendwo, mitten in Europa, in der Nähe eines Gebildes, das für Skrat aussah wie ein riesiger, blätterloser Baum - dort gab es bestimmt riesige Eicheln! - hämmerte Skrat eine nicht ganz so große Eichel (die letzte ihrer Art) in den Boden. Ein Riß entstand...
Irgendwo in den tiefen Gewölben eines Dinges, das aussah wie ein riesiger, blätterloser Baum, hämmerte der Alte Skrat - der Älteste von allen Skrats - so etwas wie eine riesige Eichel in die rissigen Bodenplatten...